Ab dem 11. September 2026 müsst ihr aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle in eurem Produkt melden – binnen 24 Stunden nach Kenntnis, an das zuständige CSIRT und die ENISA. Hier stehen die Fristen, der Ablauf und die technische Vorbereitung, ohne die kein Meldeprozess funktioniert: Erkennung, Feld-Telemetrie, Benachrichtigung.
Die CRA-Meldepflicht ist dreistufig aufgebaut – und die Uhr startet nicht mit eurer Entscheidung, sondern mit eurer Kenntnis: erst die schlanke Frühwarnung, dann die detaillierte Folgemeldung, zum Schluss der Abschlussbericht.
Frühwarnung
Nach Kenntnis: Erstmeldung an das zuständige CSIRT und die ENISA über die zentrale Meldeplattform.
Folgemeldung
Detaillierte Meldung: Art der Schwachstelle bzw. des Vorfalls, Bewertung und ergriffene Gegenmaßnahmen.
Abschlussbericht
14 Tage nach Verfügbarkeit einer Behebung (Schwachstelle) bzw. 1 Monat nach der Folgemeldung (Vorfall).
Ob ihr diese Fristen halten könnt, entscheidet sich nicht am Meldeformular, sondern an eurer Vorbereitung: Was ihr organisatorisch und technisch braucht →
Nicht jede theoretische Lücke, sondern Schwachstellen mit Hinweisen auf tatsächliche Ausnutzung.
Beispiel
Ein Sicherheitsforscher zeigt euch, dass über euren Firmware-Update-Kanal manipulierte Firmware auf Geräte im Feld gespielt wird – oder dass sich über eine Lücke im Login eurer App fremde Nutzerkonten übernehmen lassen.
Vorfälle mit Auswirkung auf die Sicherheit eures Produkts.
Beispiel
Euer Update-Server oder eure Signing-Keys werden kompromittiert – ein Angreifer könnte damit eigene „Updates“ an eure gesamte Geräteflotte verteilen, signiert mit eurem eigenen Schlüssel und für Geräte wie Nutzer nicht von einem echten Update zu unterscheiden.
24 Stunden sind kürzer, als sie klingen – die Frist läuft ab Kenntnis, und die richtet sich nicht nach Bürozeiten: Kommt der Hinweis eines Sicherheitsforschers am Freitagabend in ein Postfach, das erst am Montag gelesen wird, ist die Frist abgelaufen, bevor die Arbeit begonnen hat. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern der Normalzustand der meisten Organisationen – und genau deshalb lösbar. Meldefähigkeit braucht drei Bausteine; prüft selbst, welche ihr schon habt:
01
Ein überwachter Meldeeingang
Eine security@-Adresse plus eine security.txt auf eurer Website – die Standard-Datei, in der Sicherheitsforscher zuerst nach eurem Kontakt suchen. Dazu eine Vertretungsregelung, damit das Postfach auch am Wochenende und im Urlaub gelesen wird.
02
Ein Playbook für den Ernstfall
Eine Seite, die festlegt: Wer bewertet einen Hinweis, wer entscheidet über die Meldepflicht, wer meldet an die Behörde – jeweils mit Stellvertreter. Ein einseitiges Playbook schlägt jede 40-Seiten-Richtlinie, die niemand gelesen hat.
03
Technische Erkennung
Security-Logging in App und Backend: fehlgeschlagene Login-Versuche, ungewöhnliche Update-Aktivität. Ihr könnt nur melden, was ihr bemerkt – ohne Logging seid ihr auf Zufall und fremde Hinweise angewiesen.
Die ersten beiden Bausteine sind Organisation – die löst ihr intern, ggf. mit eurer Kanzlei. Der dritte ist Technik: Logging, Telemetrie, Benachrichtigung. Wie diese Kette im Ernstfall arbeitet, zeigt der Ablauf unten.
Prozess, Zuständigkeiten und die Meldung selbst liegen bei euch und eurer Rechtsberatung – wir bauen die technische Kette, die im Ernstfall jede Stunde spart. Was sie leistet, zeigt ein konkretes Beispiel: Freitag, 22 Uhr – in einer Login-Bibliothek eurer App wird eine kritische Lücke bekannt, und sie wird bereits aktiv ausgenutzt:
Das Security-Logging in App und Backend erkennt, was nachts kein Mensch sieht: auffällig viele fehlgeschlagene Login-Versuche über viele Konten. Der Alarm geht an die Person aus eurem Playbook – nicht in ein unbeobachtetes Postfach.
Die SBOM zeigt, welche App-Versionen die verwundbare Bibliothek enthalten; die Feld-Telemetrie, wie viele Installationen sie noch nutzen – sagen wir 12.000. Ohne beides wäre „Wie viele sind betroffen?" tagelange Detektivarbeit.
Ihr meldet an CSIRT und ENISA – mit den Fakten der ersten Stunden: welche Lücke, welche Versionen, wie viele Betroffene. Mehr verlangt die Frühwarnung nicht; die volle Analyse folgt mit der 72-Stunden-Folgemeldung.
Push und In-App-Hinweis gehen gezielt an die 12.000 Betroffenen – nicht an alle: App aktualisieren, Passwort ändern. Damit ist auch die zweite Pflicht erfüllt: die Nutzer-Information.
Im Wartungsvertrag aktualisieren wir die Bibliothek, testen die kritischen Pfade und rollen das Update gestaffelt in beide Stores aus. Weil jeder Schritt dokumentiert ist, liegen die Angaben für Folgemeldung und Abschlussbericht bereits vor.
Jeder Baustein dieser Kette ist ein eigenes Thema mit eigenem Leitfaden: SBOM für Mobile Apps für die Impact-Analyse, Update-Pflicht & App-Wartung für den Patch – und bei vernetzten Produkten OTA-Firmware-Updates mit Feld-Telemetrie, damit ihr wisst, welche Versionen draußen laufen.
Wie meldefähig seid ihr heute? Im CRA-Readiness-Check prüfen wir als ersten Schwerpunkt eure Meldefähigkeit: Erkennung, Feld-Telemetrie, Benachrichtigungskanal – danach wisst ihr, was bis September realistisch machbar ist und was bis Dezember 2027 warten kann.
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